TG Biller bewahrt in hitziger Atmosphäre kühlen Kopf und steigt in die Bayernliga auf

Erst 32:25, dann 26:28: Landshut hat gegen den TSV Niederraunau mit fünf Toren die Nase vorne

Das Flair der Relegationsspiele genießen und die Belohnung für zehneinhalb Monate Training einstreichen - das wollte Markus Böhner am vergangenen Wochenende und beides hat der Spielertrainer mit seiner Handballtruppe von der TG Biller binnen 2l Stunden auch getan. Und wie: Die Landshuter setzten sich Im Doppel-Duell der „Landesliga-Kronprinzen“ aus den Staffeln Nord und Süd mit dem TSV Niederraunau durch und schafften den Sprung in die Bayernliga. Die Rot-Weißen gewannen die Heimpartie am Samstag mit 32:25 (17:12) und hatten nach der sonntäglichen 26:28 (10:12) Niederlage in Krumbach in der Addition beider Vergleiche souverän mit fünf Treffern die Nase vorne. Das Sahnehäubchen auf eine überaus erfolgreiche Saison haben die Niederbayern bereits am Samstag angerührt. 550 Zuschauer {darunter rund 50 Gäste-Fans) verwandelten das Sportzentrum West mit ohrenbetäubendem Trommelwirbel und nicht minder lauten Tröten in ein Tollhaus - nur der Funke mochte so schnell nicht aufs Parkett überspringen. Dafür begannen beide Teams einfach zu aufgeregt, so manche Angriffsaktion wurde überhastet inszeniert und ebenso flatterig abgeschlossen. In der Regel ging's nach demselben Strickmuster: Die TGL legte durch die „Scharfschützen" Stefan Axthaler, (insgesamt zwölf Tore/davon fünf Siebenmeter) oder Markus Böhner (10) vor, die Gäste zogen postwendend nach. Zumindest bis zum 10:9 (18. Minute). Allmählich bekamen die Hausherren ihre eigenen Nerven und auch den schwäbischen Rivalen besser in den Griff. Sie standen nun in der Defensive sehr kompakt, packten energisch zu, und Keeper Daniel Wendleder fischte auch ein paar Bälle heraus, Und in der Offensivabteilung flutschte es auf einmal. Über 12:9 (20.) und 15:ll (24.) enteilten die Dreihelmenstädter bis zur Pause auf 17:12. Von dem relativ komfortablen Polster ließ sich Markus Böhner freilich nicht blenden: „Im Abschluss hätten wir ein bisserl überlegener sein können." Et selbst traf den Pfosten, Stefan Axthaler und Dominik Abeltshauser versemmelten zwei Siebenmeter und Alexander Reitmeier war auf Linksaußen auch nicht mit Wurfglück gesegnet. Nach dem Seitenwechsel ging die sprichwörtliche Post ab. Auf einmal zirkulierte der Bau wie am Schnürchen gezogen durch die Reihen, die Chancen wurden kaltschnäuzig genutzt, und nach dem 23:15 (40.) staunten die TG-Fans ob der Demontage der Schwaben schier Bauklötze. Selbst Markus Böhner war angetan: „In der Anfangsphase der zweiten Hälfte haben wir deutlich besser gespielt." Doch wie gewonnen, so zerronnen. Die TG Biller ließ sich von Zeitstrafen aus dem Rhythmus bringen, agierte bloß noch hektisch und- brachte gar nichts mehr auf die Reihe. Niederraunau ließ sich nicht lange bitten und verkürzte ruckzuck auf 24:22 (48.). Und Markus Böhner haderte: „Da haben wir die Brechstange ausgepackt und zu viel allein probiert." Der Klassenneuling ist freilich nicht zufällig Vizemeister geworden. Also besannen sich die Hausherren in dieser ausgesprochen kritischen Phase nach fast fünf Minuten ahne eigenen Treffer und einer taktischen Auszeit wieder auf ihre Tugenden und zeigten den Schwaben, wo der Bartl in Niederbayern den Most holt. Öder wie's Markus Böhner formulierte: „Unsere Deckung hat dichtgemacht, nach vorne haben wir Ball und Gegner laufen lassen und der freie Mann hat abgeschlossen."' Und zwar exakt noch achtmal zum 32:25-Endstand. Am Sonntag bewahrten die Niederbayern beim Rückspiel vor rund 700 Zuschauern in der relativ engen Krumbacher Sporthalle in hitziger Atmosphäre kühlen Kopf. Die Rot-Weißen gestalteten die erste Hälfte weitgehend ausgeglichen und ließen sich auch von einem 10:12-Pausenrückstand nicht aus der Bahn werfen. Selbst als ihnen nach dem Seitenwechsel die Felle davonzuschwimmen drohten (10:14:), ließen sie sich nicht verrückt machen und zogen den Kopf mit leidenschaftlichen Kampf aus der Schlinge. In der Schlussphase drehten Dominik Abeltshauser (6 Tore/davon 3 Siebenmeter) den Spieß sogar zu einer 21:20-Fiihrung um und stellten die Weichen endgültig auf Aufstieg. Der Rest war Schaulaufen bis zur Bierdusche. „Das ganze Jahr ging's aufwärts und jetzt sind wir oben - das ist ein unbeschreibliches Glücksgefühl", jubelte Markus Böhner und tauchte in den kollektiven Freudentaumel ein. Aufstiegsflair - was für ein Genuss!

TG Biller- Landshut (Tore am Samstag/Sonntag): Wendleder, Götz; Böhner (10/5), Grolms (3/2), Kraus (1/3), Reitmeier (3/3), Abeltshauser (3/6), Axthaler (12/3), Germowitz, Schwarz (-/l), Zieglmaier(-/2), Herterich(-/i), Guggenberger, Wetscheza, Ostermeier. -ms-

 
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